Jedes Zusammenleben, jede Gemeinschaft und auch jede therapeutische Arbeit basiert auf Wertvorstellungen.

Hier stelle ich die Agreements (=Abmachungen) vor, die die Wertvorstellungen von Deep Honesty ausmachen.

Ich bitte dich, vor deiner ersten Deep Honesty – Sitzung die Agreements hier zu lesen oder dieses Video zu schauen, in dem ich die Agreements ausführlich erläutere:

 

Die Agreements:

Vertraulichkeit

Da wir in der Deep Honesty Arbeit Dinge offenbaren, die wir sonst im Alltag nicht offenbaren, bilden wir durch dieses Agreement einen geschützten Rahmen. Du darfst im Anschluss gerne über deine Erfahrung sprechen. Sprich über die Erfahrung von anderen aber bitte nur in anonymisierter Form!

Ehrlichkeit

Dieses Agreement ist das Herzstück der Deep Honesty Arbeit. Ehrlich zu sein bedeutet nicht nur, Fragen ehrlich zu beantworten, sondern vor allem auch: keine entscheidenden Dinge zurückhalten. Die Lügen, die uns im Leben wirklich blockieren und unsere Entwicklung behindern, sind nicht die Momente, wenn wir sagen, dass wir 39 statt 42 Jahre alt sind. Die entscheidenden Lügen sind die Momente, wenn wir Dinge NICHT sagen – vorzugsweise Gefühle nicht mitteilen. Wenn du also in der Gruppenarbeit bemerkst, dass du irgendwie angetriggert bist – wütend, traurig, ängstlich, erregt, wertschätzend oder mitfühlend bist -> melde dich und teile dich mit! Wir werden uns dir zuwenden und ich werde dich in deinem emotionalen Prozess begleiten. Diese spontan auftauchenden emotionalen Prozesse zwischen den Teilnehmern sind wichtiger als jedes „Programm“, das gerade abläuft. Jeder Trigger ist eine offene Tür zu einer ungeheilten Wunde und dann besteht die Chance, einige heilsame Schritte zu gehen.

Präsenz

Aufmerksamkeit ist Liebe. Viel Aufmerksamkeit ist viel Liebe. Die Aufmerksamkeit der Gruppe ist ein ganz entscheidender Faktor, der bei dieser Arbeit wirkt. Mit diesem Agreement sagst du zu, dass du dich darum kümmern wirst, dass du präsent bist. Zum einen physisch: Du also bei einer Online-Sitzung sichtbar vorm Bildschirm sitzen bleibst, nicht unangekündigt weggehst oder andere Dinge nebenbei tust. Bitte betreue nebenbei keine Kinder und suche dir einen Platz, an dem du ungestört bist und niemand anderes als du den Bildschirm sieht oder man dich oder andere Teilnehmer hören kann (keine öffentlichen Plätze, Internet-Cafés oä). Nimm nach Möglichkeit nicht von einem Handy aus teil, da du dann immer nur einen Teil der Gruppe sehen kannst.
Sei ebenso innerlich präsent: Solltest du merken, dass du Schwierigkeiten hast, zuzuhören oder präsent zu bleiben, dann melde dich! Sei es wegen Langeweile, weil du eine Pause brauchst oder ein anderes Thema gerade drückt. Dahinter verbirgt sich in der Regel ein Thema, das wir uns dann genauer anschauen werden.
Sollte dieses Agreement bei dir Unbehagen machen, weil du dich dadurch gefangen fühlst, teile mir das bitte mit! Für diesen Fall ist es natürlich wichtig, dass du dir bewusst machst, dass du freiwillig in dieser Veranstaltung bist und im Grunde auch jederzeit gehen darfst. Natürlich wäre es mir lieber, wenn du dich zunächst meldest, aber rein theoretisch bist du zu jedem Moment frei, zu gehen.

„Ich unterstütze andere in ihrer Ehrlichkeit“

Genauso wie du dich im Kontakt mit anderen antriggern kannst, ist es möglich, dass andere Teilnehmer sich im Kontakt mit dir antriggern und Gefühle oder Prozesse auftauchen – die vielleicht gar nichts mit dir zu tun haben. Projektionen bzw. Übertragungen sind im Leben unvermeidbar. Wir können sie aber als heilsame Momente nutzen, wenn wir die Gefühle ausdrücken, die wir dadurch reinszenieren, um dann nach der emotionalen Vervollständigung wieder ganz im Hier und Jetzt ankommen zu können. Es kann sich sehr herausfordernd anfühlen, wenn in der Gruppe Konflikte auftauchen, Teilnehmer dir gegenüber Wut oder Projektionen mitteilen – mit diesem Agreement erklärst du dich einverstanden, auch andere Teilnehmer mit deiner Aufmerksamkeit zu unterstützen. Und natürlich: Wenn sich etwas für dich herausfordernd anfühlt, verbirgt sich an dieser Stelle ja auch ein Thema bei dir, welches wir uns dann natürlich ebenfalls anschauen werden.

„Ich nehme mehr als ich gebe und ich sage, was ich mir wünsche.“

Dieses Agreement hat einen entwicklungstraumatherapeutischen Hintergrund. Viele Menschen haben im Zuge ihrer kindlichen oder pubertären Traumatisierungen Situationen erlebt, in denen sie Dinge gehört haben wie: „Du nimmst dich mal wieder ganz schön wichtig!“ oder „Jetzt spiel dich nicht mal so auf!“. Bei einigen hat dies dazu geführt, dass sie Anpassungsmuster entwickelt haben im Sinne von: „Die anderen zuerst. Ich bin nicht so wichtig. Ich sag lieber erstmal nichts.“ Diese Muster möchte ich mit diesem Agreement ganz bewusst provozieren und im Idealfall für die Gruppenarbeit ganz beiseite legen lassen. Versuch mal, wie es sich anfühlt, dich selbst an erste Stelle zu stellen und dem Gruppenleiter zu überlassen, sich um die anderen zu kümmern. –
Wenn du als Therapeut/in oder Coach/in arbeiten solltest: Begib dich in der Gruppenarbeit ganz bewusst in die Teilnehmerrolle! Solltest du bemerken, dass du anderen helfen möchtest, dann teile erstmal die Intention mit, ohne es ungefragt zu tun!

Berührung nur mit Consent.

Dieses Agreement spielt natürlich nur bei Vor-Ort-Veranstaltungen eine Rolle. Wenn du den Impuls hast, jemanden zu berühren, teile dies bitte vorher mit und frage um Erlaubnis. In etwas so: „Ich würde dich gerne umarmen und meinen Kopf auf deine Schulter legen. Darf ich das?“ Damit wollen wir sicherstellen, dass keine Grenzüberschreitungen stattfinden. Mach bitte auch keine Anstalten, jemanden ein Taschentuch zukommen zu lassen, wenn er oder sie weint – dies zieht Aufmerksamkeit und vermittelt, dass jemand, der gerade mit Schmerz oder Traurigkeit in Kontakt ist, bedürftig wäre. Jeder, der ein Taschentuch möchte, kann jederzeit danach fragen oder sich selbst eins holen. Solltest du nach einigen Tagen eine Vertrautheit mit manchen Teilnehmern aufgebaut haben, wo Berührungen stimmig sind, ist das natürlich etwas anderes – sprich dies aber bitte gerne bewusst ab!

„Ich bin bereit, mich coachen zu lassen.“

Als Gruppenleiter werde ich in dieser Arbeit sehr direktiv sein: Ich werde dich bitten, Dinge auf eine ganz bestimmte Art auszudrücken und ich werde dich bitten, manche Dinge, die du unbedingt sagen willst, nicht auszudrücken. D.h. ich werde dich auch unterbrechen und nicht ausreden lassen – vorzugsweise wenn du ärgerlich bist und dich rechtfertigen oder begründen möchtest. Der Verstand versucht dann, unserer Wut mental zu entkommen, indem wir uns „richtig machen“ und unser Gegenüber falsch machen. Dann landen wir schnell in schmerzhaften Ping-Pong-Dynamiken, wo nur selten Veränderung geschieht. Meine Intention ist dann, dich an den Kern der Wut zu bringen, sie mit einem ganz einfachen Satz auszudrücken und im Körper zu spüren, um sie so zu verarbeiten und darüber hinwegkommen zu können. Gerade diese Unterbrechungen können sich manchmal herausfordernd anfühlen – deswegen kündige ich sie bewusst vorher an. Meine Intention ist hierbei nicht, ein Machtgefälle aufzubauen, sondern, dass du eine neue heilsame Art der Kommunikation kennenlernen und dich im Idealfall verbundener und freier fühlen kannst.

 

Je nach Situation gibt es noch 1-2 weitere Agreements, aber diese hier sind die wesentlichen.

Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen und mit dir zu arbeiten!

Benedikt

 

Wenn du dich noch intensiver vorbereiten möchtest, kannst du dich schon mit diesen 2 wesentlichen Tools auseinandersetzen:

Wut ausdrücken: https://youtu.be/N7ixTdBX3FQ
Reality Check: https://youtu.be/Dk7IuOMIOak