Hier stelle ich die Agreements (=Abmachungen) vor, die am Beginn von jeder Deep Honesty Sitzung von allen Teilnehmern mündlich bestätigt werden.

Um diesen Ablauf in der Gruppe etwas zu beschleunigen (gerade auch für diejenigen, die die Agreements schon kennen), bitte ich dich, dir die Agreements gut durchzulesen und dir evtl. auftauchende Fragen zu notieren. Sage in der Sitzung nur ja, wenn du das Agreement verstanden hast und bereit bist, es mitzutragen!

Du kannst dir die Agreements auch in diesem Video von mir erklären lassen:

https://youtu.be/9BWvUAeaIvc

 

Die Agreements:

 

Vertraulichkeit

Da wir in der Deep Honesty Arbeit Dinge offenbaren, die wir sonst im Alltag nicht offenbaren, bilden wir durch dieses Agreement einen geschützten Rahmen. Du darfst im Anschluss gerne über deine Erfahrung sprechen. Sprich über die Erfahrung von anderen aber bitte nur in anonymisierter Form!

Ehrlichkeit

Dieses Agreement ist das Herzstück der Deep Honesty Arbeit. Ehrlich zu sein bedeutet nicht nur, Fragen ehrlich zu beantworten, sondern vor allem auch: keine entscheidenden Dinge zurückhalten! Die Lügen, die uns im Leben wirklich blockieren und unsere Entwicklung behindern, sind nicht die Momente, wenn wir sagen, dass wir 39 statt 42 Jahre alt sind. Die entscheidenden Lügen sind die Momente, wenn wir Dinge NICHT sagen – vorzugsweise Gefühle nicht mitteilen. Wenn du also in der Gruppenarbeit bemerkst, dass du wütend, traurig, ängstlich, erregt, wertschätzend oder mitfühlend bist -> melde dich und teile dich mit! Wir werden uns dir zuwenden und ich werde dich in deinem emotionalen Prozess begleiten. Diese spontan auftauchenden emotionalen Prozesse zwischen den Teilnehmern sind wichtiger als jedes „Programm“ was gerade abläuft.

Präsenz

Aufmerksamkeit ist Liebe. Viel Aufmerksamkeit ist viel Liebe. Die Aufmerksamkeit der Gruppe ist ein ganz entscheidender Faktor, der bei dieser Arbeit wirkt. Mit diesem Agreement sagst du zu, dass du dich darum kümmern wirst, dass du präsent bist. Zum einen physisch: Du also bei einer Online-Sitzung sichtbar vorm Bildschirm sitzen bleibst, nicht unangekündigt weggehst oder andere Dinge nebenbei tust. Bitte betreue nebenbei keine Kinder und suche dir einen Platz, an dem du ungestört bist und niemand anderes als du den Bildschirm sieht.
Sei ebenso innerlich präsent: Solltest du merken, dass du Schwierigkeiten hast, zuzuhören oder präsent zu bleiben, dann melde dich! Sei es wegen Langeweile, weil du eine Pause brauchst oder ein anderes Thema gerade drückt. Dahinter verbirgt sich in der Regel ein Thema, das wir uns dann genauer anschauen werden.
Ebenfalls sagst du mit diesem Agreement zu, dass du andere in ihrer Ehrlichkeit unterstützt. Denn es ist gut möglich, dass von einem Teilnehmer dir gegenüber Gefühle oder Prozesse auftauchen und du erklärst dich bereit, diesen Teilnehmer mit deiner Aufmerksamkeit zu unterstützen.
Sollte dieses Agreement bei dir Unbehagen machen, weil du dich dadurch gefangen fühlst, teile mir das bitte mit! Für diesen Fall ist es natürlich wichtig, dass du dir bewusst machst, dass du freiwillig in dieser Veranstaltung bist und im Grunde auch jederzeit gehen darfst. Natürlich wäre es mir lieber, wenn du dich zunächst meldest, aber rein theoretisch bist du zu jedem Moment frei, zu gehen.

„Ich nehme mehr als ich gebe und ich bitte um das, was ich brauche.“

Dieses Agreement hat einen entwicklungstraumatherapeutischen Hintergrund. Viele Menschen haben im Zuge ihrer kindlichen oder pubertären Traumatisierungen Situationen erlebt, in denen sie Dinge gehört haben wie: „Du nimmst dich mal wieder ganz schön wichtig!“ oder „Jetzt spiel dich nicht mal so auf!“. Bei einigen hat dies dazu geführt, dass sie Anpassungsmuster entwickelt haben im Sinne von: „Die anderen zuerst. Ich bin nicht so wichtig. Ich sag lieber erstmal nichts.“ Diese Muster möchte ich mit diesem Agreement ganz bewusst provozieren und im Idealfall für die Gruppenarbeit ganz beiseite legen lassen. Versuch mal, wie es sich anfühlt, dich selbst an erste Stelle zu stellen und dem Gruppenleiter zu überlassen, sich um die anderen zu kümmern. –
Wenn du als Therapeut/in oder Coach/in arbeiten solltest: Begib dich in der Gruppenarbeit ganz bewusst in die Teilnehmerrolle! Solltest du bemerken, dass du anderen helfen möchtest, dann teile erstmal die Intention mit, ohne es ungefragt zu tun!

„Ich bin bereit, mich coachen zu lassen.“

Als Gruppenleiter werde ich in dieser Arbeit sehr direktiv sein: Ich werde dich bitten, Dinge auf eine ganz bestimmte Art auszudrücken und werde dich bitten, manche Dinge, die du unbedingt sagen willst, nicht auszudrücken. (Vorzugsweise wenn du dich rechtfertigen oder begründen möchtest.) Meine Intention ist hierbei nicht, ein Machtgefälle aufzubauen, sondern, dass du neue Dinge kennenlernen, dich neu ausdrücken und dich im Idealfall verbundener und freier fühlen kannst.

 

Je nach Situation gibt es noch 1-2 weitere Agreements, aber diese hier sind die wesentlichen.

Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen und mit dir zu arbeiten!

Benedikt

 

Wenn du dich noch intensiver vorbereiten möchtest, kannst du dich schon mit diesen 2 wesentlichen Tools auseinandersetzen:

Wut ausdrücken: https://youtu.be/N7ixTdBX3FQ
Reality Check: https://youtu.be/Dk7IuOMIOak